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Tuesday, October 11, 2011

[Herzensangelegenheit] Brieffreunde aus der Todeszelle

Ich habe mich heute im Hundepark mit einem Maedel unterhalten, das Brieffreunde im Gefaengnis hat. In der Todeszelle. Ist hier in Texas ja nichts Unbekanntes. Um meine persoenliche Meinung zu sagen, ich bin dagegen, aber darum geht es hier nicht.
Ich schreibe unheimlich gerne Briefe und Postkarten und genauso gerne empfange ich diese. Nachdem mir das Maedchen also von ihrem "Hobby" erzeahlt hat, habe ich ein wenig im Internet rumgegooglet, bin auf etliche Seiten gestossen und unter anderem auf eine Website aus Deutschland. Und da dachte ich mir, warum teile ich diesen Link nicht, vielleicht ist einer meiner Leser ja interessiert?

Die Seite nennt sich "Innitiative gegen die Todesstrafe" und listet verschiedene US-Staaten mit verfuegbaren Brieffreunden auf. Diese Gefangenen stellen sich jeweils mit einem kurzen Text und manchmal auch mit Photo(s) vor. Unten steht dann die Adresse unter denen ihr die jeweilige Person erreichen koennt. Zusaetzlich gibt es dann noch Hinweise auf Regeln, die in den einzelnen Gefaegnissen eingehalten werden muessen, wenn man Briefe schreibt.

Bisher bin ich mir noch nicht 100% sicher, ob das etwas fuer mich ist. Es geht mir nicht darum, dass diese Menschen etwas verbrochen haben (ich stehe der Justiz hier etwas unschluessig entgegen), sondern viel mehr darum, dass man sich bewusst sein muss, dass der Mensch, zu dem man eventuell eine Freundschaft aufgebaut hat [einige Insassen scheinen wirklich etwas im Kopf zu haben, ganz entgegen vieler Vorurteile ... die auch ich habe/hatte], letztendlich stirbt. Und mit sowas kann ich, glaube ich, nicht umgehen.
Ein Beispiel ist der junge Dexter hier aus Texas. Er ist 1988 geboren und in seinem Vorstellunsgtext schreibt er:

Hello my name is Dexter and I would like to meet you. I'm a young man (born June 1988) that is currently fighting for his life and the reason is because I have been wrongly convicted! I have a daughter who is the light of my life and the main person that keeps me motivated to keep fighting and not give up.
Under my circumstances it is not easy to grow. I'm isolated in a small cell where I spend 99.9% of my time. I am allowed out of my cell only 5 days a week, 2 hours each day and the other 2 days I'm locked in my cell all day. That's only 10 hours toseek out! I'm very discouraged by my situation, but even more saddened that it will stunt my full potential. I would like to study more about the issues of life and self-help. I enjoy reading novels, exercising, and staying up on current events. All the world has given up on me, I haven't given up on myself.
I'm interested in meeting you if you can offer a good exchange of letter's that would better my life. Just being there, having someone to talk to and to connect to can make all the difference.
Hope to hear from you soon!
Der mittlere Part beruehrt mich irgendwie. Allerdings bin ich mir unschluessig bei der Tatsache, dass er behauptet, er waere zu Unrecht dort. Das behaupten naemlich alle. Und ich wuerde sagen, dass es zu 90% nicht so ist. Aber gut, auch das ist meine Meinung.
Ich wollte euch diese Seite ans Herz legen, denn es sind auch nur Menschen, die in ihren letzten Tagen/Wochen/Monaten oder Jahren ein wenig Kontakt pflegen moechten, besonders wenn sich ihre eignen Familien von ihnen abgewandt haben.

Wednesday, April 27, 2011

[Herzensangelegenheit] Heroes behind heroes.

Ich halte mich zu diesem Thema bewusst kurz, weil ich echt stundenlang darüber reden könnte. btw. dies ist mein 100. Post :D

Am 6. Mai ist „Military Spouse Appreciation Day“ und das ist so ziemlich die einzige „Ehrung“, die Militärehemänner/-frauen bekommen. Zu Unrecht, wie ich finde. Und das sage ich nicht nur, weil ich selbst dazu gehöre, sondern weil ich nun merke, wieviel die Familien hinter den Soldaten eigentlich machen.

Überall hier in Killeen liest man „Support our troops“ oder „We support our troops“, aber niemand unterstützt die Familien. Klar, die Soldaten riskieren ihr Leben im Krieg, aber teilweise müssen die härtesten Kämpfe an der „homefront“ gekämpft werden. Nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Im Alltag ist es so: der Soldat geht morgens auf die Arbeit, kommt abends wieder und sein Tag ist gelaufen. Der Ehepartner hingegen sorgt dafür, dass Rechnungen bezahlt werden (vorzugsweise rechtzeitig), dass der Kühlschrank voll ist, kümmert sich um die Tiere und Kinder, schmeißt den Haushalt … ist eigentlich rundum ein menschlicher Terminplaner. So wie ich die anderen Soldaten kennengelernt habe, muss ich sagen, dass das Kinder sind. Oder Roboter. Sie machen, was ihnen gesagt wird, aber von selbst kommt nichts. Oder sie sind komplett unselbstständig eben weil ihnen alles gesagt und vorgekaut wird. Die haben ihre Regeln, wissen in Situation X genau, was von ihnen verlangt wird und rufen alles aus ihren programmierten Hirnen ab. Und da hört es auch schon auf.

Während eines Deployments wird von den Ehefrauen/-männern verlangt, ihre Sorgen/Trauer/Angst zu unterdrücken, um den Soldaten nicht abzulenken. Es gibt ein Infoheft der Army, das vorschreibt, wie man am Besten mit seinem Ehepartner während des Deployments spricht. Also welche Themen angesprochen werden soll und welche nicht. Eigene Gefühlswelt? Tabu. Harmloses Alltagsblahblah? Erwünscht.Finde ich nicht unbedingt schlecht, wenn es irgendetwas geben würde, wo man die eigene Gefühlswelt rauslassen könnte. Klar, es gibt das Internet, aber auch das hilft nicht immer. Manchmal möchte man dann doch von seinem Liebsten hören, dass alles gut wird. Aber man darf den Soldaten ja nicht irritieren. Ich plaudere jetzt mal aus meiner persönlichen Gefühlswelt. Ich habe versucht, nur Alltagsblahblah mit McHubby zu bereden, während er im NTC war. Und es ging schief. Ich war hier alleine im Haus und wirklich alles ging schief und die unterdrückten Emotionen machten alles noch schlimmer, wie ihr ja bereits mitlesen durftet. Die kleinsten Fehler haben zu furchtbaren Heulausbrüchen geführt. Ich hätte mir gewünscht, dass ich hier im Alltag auch unterstützt werden würde. Dass auch mal jemand an mich denkt oder mir einfach nur mal sagt: 'Hey, dass was du machst, find' ich super. Du hast meine Unterstützung.' Aber nein. Hier in Killeen gehen die Ehepartner vor lauter Nationalstolz unter.

Es gibt nicht nur die heroischen Soldaten, es gibt auch deren Ehefrauen/-männer. Und ich hätte fast losgeweint, als McHubby mal zu mir sagte: „You are my hero.“